Aktivierungsproblem bei einem Lawinenairbag Rucksack

Datum der Veröffentlichung: 23.02.2018 - Skitour / Snowboardtour
Nach einem Hinweis des Herstellers habe ich meinen Lawinenairbag [1] für ein Update eingesandt und erhielt diesen mit der Meldung zurück, dass das System einwandfrei funktioniert. Anlässlich einer mehrtägigen Tour schaltete ich am ersten Abend den Rucksack wie gewohnt aus. Am nächsten Morgen konnte ich den Rucksack nicht mehr einschalten. Es stellte sich heraus, dass nach dem Update das System nach einem „Power Down“ in einen sog. „Lagerungsmodus“ gebracht wird, aus welchem dieses nur mittels Anschliessen des Ladeadapters am Stromnetz wieder reaktiviert werden kann. Für eine mehrtägige Tour von einer Berghütte aus, wo es gar kein Stromnetz gibt, nehme ich natürlich kein Ladegerät mit. Ich finde dieses Systemverhalten deshalb gefährlich.

[1] Es handelt bei diesem Rucksack um das Modell Jetforce Tour Pro 34 der Firma PIEPS. Dieser Rucksack arbeitet mit einem batteriebetriebenen Düsengebläse, welches den Airbag aufbläst. Dies im Gegensatz zu anderen Produkten, bei welchen der Airbag mittels einer Gaskartusche befüllt wird.
Dieser Rucksack ist sicher ein innovatives Produkt, welches jedoch auch einiges an Technik (inkl. Software) enthält. Soweit wir dies beurteilen können, tritt das im Vorfall geschilderte Verhalten nur bei Modellen mit einem älteren Akku-Typ auf. Es entzieht sich unserer Kenntnis, weshalb der Hersteller diese Abschalt-Funktionalität in dieses Update eingebracht hat. Wichtig ist jedenfalls, dass die Benutzer klar auf eine solche Änderung aufmerksam gemacht werden. Dieser Fall zeigt auch, dass moderne Technik am Berg immer zwei Seiten hat: Einerseits können durch intelligente Funktionen Sicherheit und Komfort erhöht werden. Andererseits erfordert dies von den Benutzern, dass diese Technik auch jederzeit richtig bedient werden kann, was unterwegs nicht immer einfach zu handhaben ist.

Im Zusammenhang mit Lawinenairbags ist auch eine Studie sehr interessant, welche in der Fachzeitschrift bergundsteigen 3/14 publiziert worden ist. Diese zeigt, dass mit Lawinenairbags das Mortalitätsrisiko von Schneesportlern, welche ernsthaft von einer Lawine erfasst werden, deutlich reduziert werden kann. Allerdings nicht so stark, wie man dies auf den ersten Blick annehmen könnte. Hauptursache hierzu sind im Ernstfall nicht aufgeblasene Airbags. Wir können hier nur auf das (hier gekürzte) Fazit der Verfasser dieser Studie hinweisen:

• Die Nicht-Auslöserate über alle erfassten Fälle liegt bei 20%.

• 60% der Fälle von nicht aufgeblasenen Airbags gehen auf eine fehlende
Aktivierung der Nutzer zurück. Vertrautheit mit dem Auslöseprozedere und eine
korrekte Wartung sind deshalb für ein einwandfreies Funktionieren des Airbags
von höchster Bedeutung.

• Persönliche Sicherheitsgewinne von Airbags sind schnell zunichte gemacht, wenn
die Benutzer sie verwenden, um sich in extremeres Gelände zu begeben, wo
größere Lawinen möglich sind.
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